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Iwan Bunin. Leichter Atem. Erzählungen 1916-1919

Deutsch von Dorothea Trottenberg, herausgegeben von Thomas Grob
Dörlemann Verlag
 
Präsident Putins Erlass, ein respektvolles Gedenken des ausgesprochenen Revolutionsgegners – er floh 1920 mit einem der letzten Schiffe von Odessa nach Frankreich – einzuberufen, war zumindest verblüffend, fand bei uns kaum ein Echo, von einigen Lesungen abgesehen. Bunin in einer Ausstellung auf dem Roten Platz? Er habe einen „herausragenden Beitrag zur russischen und zur Weltliteratur“ getan, so das Staatsoberhaupt. In der Russischen Staatsbibliothek für Kinder gibt es einen Wettbewerb „Grammatik der Liebe“...
Nun war Bunin um die Jahrhundertwende ein geliebter und verehrter Autor, befreundet mit Maxim Gorki, bewundert und zum Lehrer erhoben von Vladimir Nabokov, mehrfacher Träger des Puschkin-Preises, Ehrenmitglied der Russischen Akademie – eine Stimme Russlands, die nach 1917
verstummte, ja erstickte, denn er nahm die Revolution wahr als eine „Orgie des Todes“. Er liebte das alte Russland, seine Dörfer, seine Menschen – er zerbrach an der Gewalt der Umbrüche, die das Dorf und seine Schenken, Bahnhöfe und Jahrmärkte zerstörten. Er blieb in seiner zärtlichen melancholisch-impressionistischen, bezaubernden Sprache und hielt nichts von den neuen Lautexperimenten etwa des Daniil Charms. 1933 erhält er als erster Russe den Nobelpreis für Literatur, da lebt er schon lange in großer Existenznot in Paris. Verarmt, vereinsamt, sieht er voller Entsetzen auf die stalinistische Barbarei, die ihn auch 1945, obwohl von Freunden gebeten, gedrängt, erwartet, an der Rückkehr in die Sowjetunion hindert. 1953 stirbt er in Paris - erschöpft von all dem Schrecklichen, was er erlebt hat, und von all dem Wunderschönen, was er geschrieben hat.
Darum bemüht sich der Schweizer Dörlemann Verlag, der jetzt die Arbeiten aus den schmerzlichen Jahren des Krieges 1916-1919 vorstellt. Die titelgebende Erzählung ist eine wunderbar leichtsinnige, subtil erotische Geschichte, weit ausschwingende Lebenslust und Melancholie lassen den „leichten Atem“ und die „kalte Frühlingsluft“ nebeneinander atmen. Fatale Affären gibt es noch einige, immer mit malender Sprache erzählt – das müsste unübersetzbar sein, denkt man unwillkürlich... Ein kluges Nachwort ergänzt die brillanten Übersetzungen. Der Band ist angenehm ausgestattet, eine Studie von Kandinsky, Moskau, Zubovskaja Platz (1918), auf dem Einband ist ein Geschenk für sich. Ein fern gewordener, kein verlorener Sohn Russlands malt die vorrevolutionäe Zeit verführerisch schön. Olga Martynova erinnert an Bunins Wort „Amata nobis quantum amabitur nulla!“, deutsch: „Wie sie geliebt wurde, keine wird mehr so geliebt!“ Im Russischen ist Russland weiblich.... Helmut Ruppel

287 Seiten
25 Euro
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